“Multi-talented!” – Jr. Blender im Gespräch

“Multi-talented!” – Jr. Blender im Gespräch

Nachdem zuletzt Randy Valentine Rede und Antwort stand, haben wir nun eine weitere Persönlichkeit aus der Soundsystemszene zu Gast. Nicht zuletzt durch seine Aktivitäten bei einem der international renommiertesten Sounds (Supersonic) und seine viel beachteten Remixe hat er sich einen Namen machen können. Ladies & Gentlemen: Jr. Blender!

so gesehen: Greetings Blender und vielen Dank für das Interview.  Stell dich den Lesern von „so gesehen“ doch einmal kurz vor?

Jr. Blender: Hallo, ich bin Blender, Musiker, Produzent und DJ/Selector unter anderem bei Supersonic Sound und So Shifty.

so gesehen: Mit Supersonic warst du lange Zeit sehr aktiv und hast Dances sowie Clashes in Nah und Fern bespielt. Nun hast du dich vom aktiven Soundgeschäft ein wenig zurückgezogen und findest dich, so ist zumindest meine Beobachtung, immer häufiger in anderer Funktion wieder. Wie gefällts du dir in dieser Rolle die eher hinter den Kulissen stattfindet?

Jr. Blender: Da täuscht dich dein Eindruck, ich bin weiterhin regelmässig für Supersonic unterwegs. Die Produktionen die du wohl mit “hinter den Kulissen” meinst waren nach dem “Devils Angel” Riddim schon immer ein Teil meines Aufgabenfelds. Von daher hat sich auch hier nichts geändert.

so gesehen: Du blickst als aktiver Selecta auf eine lange Karriere hinter den Plattentellern zurück. Was waren deine Highlights und wie bist du überhaupt zum Reggae gekommen?

Jr. Blender: Highlights als Sonic-Selector waren definitiv die Touren nach Japan, der Clash gegen Addies in Antigua und die Touren in die USA. Im C-PAC in Brooklyn den kompletten Dance zum Durchdrehen zu bringen ist kaum noch zu toppen. Zu Reggae gekommen bin ich als Kind durch Marley-Platten meiner Eltern, zu Dancehall dann durch die ältere ortsansässige Soundsystem-Generation.

so gesehen: In der Szene und selbst darüber hinaus hast du Dir inzwischen einen Namen als Remix-Messias erarbeitet. Wie sieht der Prozess vom Original im Detail aus und woher ziehst du deine Inspiration/Ideen?

Jr. Blender: Das ist so allgemein schwer zu beantworten. Von den Originalsongs übernehme ich meist nur den Gesang aus dem ich natürlich viel Inspiration ziehe. Ansonsten nimmt sich eine Remix-Produktion gegenüber einer normalen Originalproduktion nicht viel, vor allem in Bezug auf Inspiration. Ich versuche natürlich dem Song eine neue Dimension zu geben und Aspekte hervorzuheben die mir besonders gefallen aber im Original untergegangen sind.

so gesehen: Viele Leute behaupten, dass insbesondere Dancehall in der heutigen Zeit, wenig bis Garnichts mehr mit dem ursprünglichen Style zu tun hat und sich amerikanischer Mainstreammusik annähert. Wie stehst du zu dem Thema und wo siehst du wesentliche Veränderung der Neuzeit in Bezug auf Reggae/Dancehall?

Jr. Blender: Die Meinung kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Jamaikanische Musik hat sich schon immer stark am amerikanische Mainstream-Markt orientiert. Und das die Themen zur Zeit halt öfters mal “Party” oder “Money” sind ist auch nur einer von vielen vorübergehenden Trends. Den dramatischsten Unterschied im Vergleich zu noch vor 10 Jahren sehe ich in der Demokratisierung der Produktionsmöglichkeiten, heutzutage kann jeder youth mit einem Notebook  “Produzent” sein während man früher noch jahrelange Ausbildung, Erfahrung, Kontakte und finanzielle Mittel mitbringen musste. Das hat dementsprechend natürlich Vor- aber auch viele Nachteile wie z.B. eine fehlende Qualitätssicherung.

so gesehen: Ende letzten Jahres hast du zusammen mit Adde Instrumentals und Johnny Wonder den Corner Shop Riddim geschaffen, der weltweit mehr als gut ankam. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Jr. Blender: Relativ einfach: Johnny Wonder wollte einen One-Drop-Riddim produzieren und hatte schon für seinen SWA-Riddim mit Adde zusammengearbeitet. Da ich wiederum schon seit einiger Zeit mit Adde zusammenarbeite und mehr Erfahrung in Bezug auf organische klingende Reggae Riddims habe lag diese Konstellation sehr nah. Adde hat mir einige Melodien geschickt, ich den Riddim dazu gemacht, Johnny Wonder hat sich um die meisten Voicings gekümmert die ich dann wiederum gemischt und gemastert habe.

(Anm. d. Red.: Der Corner Shop Riddim ist u.a. auf iTunes und bei Amazon erhältlich.)

so gesehen: Wenn man sich deine Remix Veröffentlichungen ansieht, ist man häufig mit Künstlern aus den aktuellen Charts konfrontiert. Haben sich Rihanna und Bruno Mars bisher schon für die Vergoldung ihrer Songs persönlich bei dir bedankt?

Jr. Blender: Persönlich bisher leider nicht, neben den meist illegalen Bootleg-Remixen mache ich aber mehr und mehr offiziell in Auftrag gegebene Arbeiten für große Mainstream-Acts.

so gesehen: 2013 hat ja gerade erst begonnen, daher auch diesmal die obligatorische Frage: Was können wir in den nächsten Monaten von Dir erwarten und was steht aktuell auf der Tagesordnung?

Jr. Blender: Gerade bin ich mit der Endproduktion des kommenden Ronny Trettmann Albums schwer beschäftigt, das selbstverständlich ganz großartig wird. Ansonsten spreche ich nicht gerne über ungelegte Eier, also lasst euch überraschen!

 

An dieser Stelle ein großes Dankeschön!

Weitere Infos & Remixe gibt es auf www.jrblender.com/promo sowie auf www.supersonic-sound.de.